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Zelleränderungen des Gebärmutterhales und HPV-Infektion

Die Krebserkrankung des Gebärmutterhalses (auch genannt: Gebärmuttermund, Cervix, Portio uteri) war bis vor 40 Jahren noch die häufigste Krebserkrankung der Frau. Dieses konnte durch die Einführung der Krebsfrüherkennung deutlich zurückgedrängt werden. Durch die regelmäßigen Abstriche des Gebärmuttermundes –und halses können frühzeitig Vorstufen und leichte Zellveränderungen erkannt werden. Dadurch kann eine Behandlung erfolgen, bevor es zu einer Krebserkrankung kommt und ohne dass die gesamte Gebärmutter entfernt werden muss.

Die häufigste Ursache ist eine Infektion mit gewissen Typen des Humanen Papilloma Virus (HPV). Nicht alle der bisher bekannten ca. 120 HPV-Typen verursachen Zellveränderungen und auch nur einige im Genitalbereich. Es wird zwischen hoch-Risiko-Typen und niedrig-Risiko-Typen unterschieden. Die häufigsten Risikotypen sind HPV16 und 18 und Typen mit geringen Risiko sind HPV 6 und 11.

Die Viren mit geringem Risiko lösen Warzen (Feigwarzen, Condylome) im Bereich der Schamlippen, des Analbereichs, der Scheide oder des Gebärmuttermundes aus. Feigwarzen stehen in keinem Zusammenhang mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs.

Die Viren mit hohem Risiko können über einen Zeitraum von 7-10 Jahren (Infekt bis Krebserkrankung) über verschiedene Stufen zu einer Krebserkrankung des Gebärmutterhalses führen. Dieser Verlauf ist aber nicht zwingend. Von den Risiko-Infektionen können sich etwa 1/3 zurückbilden, 1/3 bleibt ohne weitere Verschlechterung bestehen und 1/3 führt zu einer zunehmenden Zellveränderung. Für diese unterschiedlichen Entwicklungen einer Risikoinfektion werden begünstigende Faktoren (sogenannte Co-Faktoren), das Immunsystem sowie die Potenz des Virus verantwortlich gemacht. Zu den Co-Faktoren zählen vor allem Rauchen und immunschwächende Umstände wie HIV-Infektion sowie hochdosierte und langandauernde Cortison-Behandlungen. Wird ein Infekt mit einem Risiko-Typ nachgewiesen, kann durch engmaschige Abstrich-Kontrollen eine mögliche Zellveränderung frühzeitig festgestellt werden. Ein Nachweis auf HPV ist erst mit Ende 20 sinnvoll, da viele junge Frauen diese Infekte durchlaufen ohne einen dauerhaften Infekt zu behalten und ggf. eine Zellveränderung zu entwickeln.

Wir empfehlen allen Frauen regelmäßig jährlich den Zellabstrich (Zytologie) des Gebärmutterhalses und –mundes abnehmen zu lassen. Je nach Risikofaktoren (letzter Abstrich, optische Veränderungen am Muttermund, Infektionen) kann es sinnvoll sein häufiger als einmal pro Jahr den Abstrich entnehmen zu lassen. Liegen Risikofaktoren vor, sollte auch eine Spiegelung des Gebärmuttermundes (Kolposkopie) vorgenommen werden. Diese Kolposkopie wird im Rahmen der normalen Untersuchung durchgeführt und ist nicht schmerzhaft.

Sollten sich wiederholt verdächtige Abstrichergebnisse (Einteilung: Papanicolaou, PAP I-IV) ergeben und der Verdacht auf eine Zellveränderung (Dysplasie) bestehen, kann es sinnvoll sein, kleine Gewebeproben vom Gebärmuttermund zu entnehmen und vom Pathologen untersuchen zu lassen. Diese Gewebeprobe (Histologie) ermöglicht die Zellen in ihrer Architektur zu beurteilen. Sie erlaubt eine genauere Aussage als der Zellabstrich, bei dem die Zellen nur einzeln und nicht in ihrem Verband beurteilt werden können. Sollte eine höhergradige Zellveränderung vorliegen (Einteilung: cervicale intraepitheliale Neoplasie, CIN I-III) ist es notwendig den betroffenen Gewebeabschnitt zu entfernen. Dazu wird Gewebe per elektrischer Schlinge (LEEP Loop Electrosurgical Excision Procedure) oder Laser entfernt. Diese Eingriffe werden in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt.

Neue Impfstoffe, die seit Dezember 2006 auf dem Markt sind, können prophylaktisch eine HPV-Infektion verhindern. Es sind Wirkstoffe, die gegen die häufigsten Typen 16+18 (ein Impfstoff zusätzlich auch gegen HPV 6+11) wirksam sind. Bisher ist er für 9 bis 26-jährige zugelassen. Die Kassen übernehmen diese Kosten bis zum 18.Lebensjahr. Der Impferfolg ist nicht durch eine Blutentnahme (wie z.B. bei Hepatitis o.ä. Impfungen) kontrollierbar.

Bisher kann nicht vorausgesagt werden wie lange der Impfschutz bestehen bleibt. Auch kann keine Voraussage darüber gemacht werden, ob sich die Häufigkeit der übrigen hoch-Risiko-HPV-Typen durch die Impfung verändern wird.

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